[GNZ] Musical-Comeback in Birstein: „Das wilde Weib“ kehrt zurück

© 2026 Gelnhäuser Neue Zeitung / Frank Schäfer

Frank Schäfer, Gelnhäuser Neue Zeitung schreibt am 31. August 2026:

Die Birsteiner Festspiele starten nach neun Jahren Pause mit dem Musical „Das wilde Weib“.
Innerhalb kurzer Zeit sind bereits ein Drittel der Karten vergriffen.

Birstein. Unter der Schirmherrschaft des hessischen Ministers für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels, gehen die Birsteiner Festspiele nach neun Jahren Pause in die nächste Runde. Am vergangenen Freitag startete der Vorverkauf für „Das Wilde Weib – Das Musical“. Innerhalb von zwei Stunden war ein Drittel der verfügbaren Karten ausverkauft. Insgesamt sechs Vorstellungen mit je 300 Sitzplätzen stehen vom 12. bis 21. März 2027 auf dem Programm. „Diese Festspiele können nur gut werden“, gab sich Angelika Roskoni vom Management des Vereins „Wilde Kultur“ zuversichtlich.

Roskoni gab im Bürgerzentrum, wo das Musical aufgeführt wird, mit Komponist Jochen Flach, Intendant Leon Roskoni und Regisseurin Regina Leitner eine Pressekonferenz. Leitner schrieb das Buch, führt Regie und steht auch in der Hauptrolle des „Wilden Weibes“ auf der Bühne.

Regina Leitnet schrieb Buch, führt Regie, spielt Hauptrolle

Regina Leitner, geboren 1977 in Linz/Österreich, absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Anton-Bruckner-Universität Linz und schloss 1999 die Diplomprüfung mit Auszeichnung ab. Es folgte eine einjährige Musical-Welttournee durch die USA und Europa. Erste Theatererfahrung sammelte sie bereits mit 17 Jahren als Regieassistentin am Theater Linz. Inzwischen lebt sie in Spielberg, unweit von Birstein also. Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin, unter anderem am Hessischen Landestheater Marburg, gibt sie seit vielen Jahren Schauspielunterricht, leitete diverse Theater- und Musical AGs und führt Regie im In- und Ausland. Seit 15 Jahren ist sie im deutschsprachigen Raum mit ihren Musik-Kabaretts unterwegs. Obendrein ist sie auch Autorin, Bewegungstherapeutin, Naturcoach und Erlebnispädagogin. Sie habe sich intensiv mit der Sage vom „Wilden Weib“ beschäftigt und daraus dieses Stück entwickelt, schildert sie. Es sei die Geschichte einer Frau, die für sich etwas einfordert. Neben dem Libretto für das Musical sei daraus auch ein Buch entstanden, das zur Premiere herauskommen werde. Ihre Grundidee: Zwei Welten, das Dorf und der Wald, treffen aufeinander, der Jäger aus dem Dorf und das Wilde Weib aus dem Wald. „Zwei Welten“ ist auch das erste von 20 Liedern, die Jochen Flach dazu geschrieben hat.

Jochen Flach ist für die Musik verantwortlich

Flach ist seit der ersten Produktion des „Wilden Weibes“ im Jahr 2008 als Komponist mit an Bord, einschließlich des letzten Stücks vom „wilden Grimm“, das 2017 im Schlosspark aufgeführt wurde. 2020, als die Fortsetzung inszeniert werden sollte, stoppte der Lockdown der Coronazeit auch diese künstlerischen Aktivitäten. Dies sei „ein schwarzer Tag“ gewesen. Der Verein „Wilde Kultur Birstein“, sagt Vorsitzender Leon Roskoni, konnte sich über Wasser halten, unter anderem mit Veranstaltungen im Kulturkeller im Keller des Bürgerhauses. Er sei wahnsinnig glücklich über diesen Start des Vorverkaufs.

Alexander Müßig in der Rolle des Jägers

Die Rolle des Jägers hat Alexander Müßig aus Mainz übernommen. Geboren 1996 in Wiesbaden, lebt er seit seiner Kindheit bei Mainz, wo er 2019 bis 2022 seine Schauspielausbildung an der Schauspielschule Mainz absolvierte. Als Gast spielte er unter anderem am Chawwerusch Theater Herxheim und war am Staatstheater Wiesbaden als Ensemblemitglied des Jungen Staatsmusicals in „Blues Brothers“, „Fame“, „Jugend ohne Gott“ (Regie: Iris Limbarth) zu sehen. Am Staatstheater Mainz stand er in „Der Mann ohne Vergangenheit“ und „Der kleine Vampir“ auf der Bühne. Hinzu kommen verschiedene Kurzfilmprojekte. Zuletzt war er beispielsweise in der Produktion „Fack Ju Göhte“ am Staatstheater Wiesbaden zu sehen. Insgesamt waren 20 Rollen zu vergeben, wobei noch nicht feststeht, wer den Fürsten von Isenburg darstellen wird. Wunschkandidat wäre Alexander Fürst von Isenburg.

Die Kulissen für das Musical sind bereits weitestgehend fertiggestellt. Dadurch konnte das Ensemble schon unter nahezu realistischen Bedingungen proben und die einzelnen Szenen direkt im vorgesehenen Bühnenbild einstudieren. Zum ersten Mal finden die Aufführungen nicht unter freiem Himmel statt. Die neue Produktion kommt im Bürgerzentrum Birstein auf die Bühne. Um möglichst intensiv und gezielt an den unterschiedlichen Bereichen der Inszenierung zu arbeiten, wurde das Ensemble in drei parallele Gruppen aufgeteilt. In der Theatergruppe standen unter der Leitung von Regisseurin Regina Leitner die schauspielerische Gestaltung und die einzelnen Szenen im Mittelpunkt.

Für den musikalischen Feinschliff sorgte die Gruppe des Vocal-Coachings. Hierbei arbeiteten die Darstellerinnen und Darsteller mit Ensemble-Mitglied Jenna Sauer und Komponist Jochen Flach, der für das Stück 20 neue Lieder komponiert hat, an Gesang, Stimmen und musikalischer Umsetzung. Die dritte Gruppe widmete sich der Choreografie. Unter der Leitung von Choreografin Britta Schäfer-Clarke wurden Bewegungsabläufe einstudiert und Schritt für Schritt verfeinert.

Guter Start des Vorkaufs für sechs Vorstellungen

Wer sich bestimmte Plätze sichern möchte oder Karten für eine größere Gruppe benötigt, sollte den Vorverkauf nicht verpassen. Unter birsteinerfestspiele.de können die Sitzplätze direkt über den Saalplan ausgewählt werden. Anlässlich des Birsteiner Marktes gibt es zum Vorverkaufsstart ein besonderes Angebot: Bis einschließlich 13. September werden 10 Prozent Rabatt auf alle Karten gewährt. Der Nachlass ist sogar mit den regulären Ermäßigungen kombinierbar. Diese betragen jeweils 15 Prozent für Schüler, Studierende, Auszubildende und Vereinsmitglieder sowie 10 Prozent für Inhaber der Ehrenamtscard Hessen. Die Eintrittskarten sind ab 29,50 Euro erhältlich und werden in drei Preiskategorien angeboten. Zusätzlich zum Online-Vorverkauf gibt es am Sonntag, 6. September, die Möglichkeit, Karten direkt am Marktstand der Birsteiner Festspiele beim Birsteiner Markt zu erwerben – dort auch gegen Bargeld.

Die Geschichte vom wilden Weib und dem Jäger

Zum Inhalt: Im Wald vor Birstein lebt eine Frau. Vier Kinder, aber kein Name, den das Dorf kennen würde. Sie heilt mit Kräutern und lebt von dem, was der Wald hergibt. Mit ihren Kindern bestreitet sie ihr Leben im Einklang mit der Natur. Das Dorf weiß von ihr nur das, was man sich abends in der Wirtschaft erzählt. Und das reicht, um sie zu fürchten. Dann zerreißt ein Schuss die Stille des Waldes. Die Kugel war für einen Hirsch bestimmt, trifft aber den Jäger Jakob (Alexander Müßig) selbst.

Drei Wochen wird er im Wald bleiben. Drei Wochen, in denen er lernt, wie es sich anfühlt, nichts beweisen zu müssen. Und das reicht, um sich zu verlieben. Er ist nicht mehr der, der er einst war. Er lächelt zu viel, spricht zu wenig und gibt schlussendlich sein Jagdgewehr ab. Woran er einst Spaß hatte, irritiert ihn. Er müsse sich erklären – doch für seine Familie, seine Freunde und die versammelte Dorfgemeinschaft ist die Sache absolut klar: Er muss verhext worden sein. 

Hoffen auf ein Happy End

Aus Getuschel wird eine Geschichte, die spaltet. Der Pastor (Cory Elbrechter) sorgt sich um die Seelen, der Doktor um seinen Ruf, Jakobs Mutter um ihren Sohn und um Sabine (Elina Beer), die seit Jahren auf ihn wartet. Jeder hat einen guten Grund. Und auch wenn die Gründe unterschiedlich sind, in einer Sache sind sich alle einig, zum Wohle aller: Das Weib im Wald (Regina Leitner) muss weg. Irgendwann ist nichts mehr zurückzunehmen. Zum ersten Mal seit Jahren verlässt das Wilde Weib den Wald und geht zu denen, die längst über sie entschieden haben. Und dort geht es um mehr als die Frage, ob eine Frau anders leben darf. All das wird auch vor den Fürsten (N.N.) gebracht. Wie sie diese Anhörung übersteht, wird im Musical zu erfahren sein. Man darf sich sicher sein, dass es ein Happy End geben wird.

Gelnhäuser Neue Zeitung (GNZ)

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Vom Festwagen auf die Bühne: Das Wilde Weib – Das Musical.