Vom Festwagen auf die Bühne: Das Wilde Weib – Das Musical.
Einmal im Jahr rollt in Birstein ein Festwagen durch den Ort. Auf ihm steht eine Frau. Sie hat keinen Nachnamen, kein Sterbedatum, keinen Eintrag im Kirchenbuch. Sie ist das Wilde Weib, und sie fährt seit Jahrzehnten mit. Kaum jemand fragt noch, warum.
Im März 2027 wird man es wieder besser wissen. Dann steht die Frau vom Festwagen sechs Abende lang auf einer Bühne, in einem eigens für sie geschriebenen Musical, mit eigens für sie komponierter Musik, gespielt von einem Ensemble aus rund zwanzig Menschen, von denen die meisten tagsüber etwas anderes tun. Es ist die achte Produktion der Birsteiner Festspiele. Und die erste, die unter einem Dach stattfindet.
Ein Fels, eine Quelle, ein Gerücht
Birstein liegt im Tal des Reichenbachs, dort wo der Vogelsberg nach Süden hin ausläuft. Über dem Ort steht das Renaissanceschloss der Fürsten von Isenburg auf einem erloschenen Vulkanschlot. Ringsum: Wald. Sehr viel Wald.
In diesem Wald liegt eine markante Felsformation aus Basalt, die auf kaum einer Wanderkarte anders heißt als „Wildes Weibsbild“. Wie mit bloßen Händen aus dem Grundstein geschlagen ragt die Wand aus rechteckigen Basaltquadern aus dem überwachsenen Erdreich. Ein Stück weiter sprudelt der Milchborn, jene Quelle, aus der nach altem Birsteiner Brauch die Kinder des Ortes kommen.
Beides ist bis heute zu Fuß erreichbar. Beides steht im Stück. Wer nach der Vorstellung wissen will, wie der Wald riecht, in dem das alles spielt, muss dafür nicht weit gehen.
Nicht mehr Land, als eine Rindshaut bedeckt
Die überlieferte Fassung der Sage ist kurz, und sie ist gut: Vor langer Zeit erscheint in der Gegend von Birstein eine fremde Frau. Sie bittet den Herrn des Landes um ein Stück Boden — nicht mehr, als sie mit einer einzigen Kuhhaut bedecken kann. Eine bescheidene Bitte. Sie wird ihr gewährt.
Was danach geschieht, erzählt man sich in Birstein bis heute. Die Frau bekommt ihr Land. Sehr viel mehr davon, als der Herr des Landes gemeint hatte. Und sie bleibt in jener Felsenburg im Wald, die seither das „Wilde Weibsbild“ heißt.
Die Sage stammt vermutlich aus dem frühen Mittelalter. Sie ist nie aufgeschrieben worden, um jemanden zu belehren. Sie wurde weitergegeben, weil eine Frau darin klüger war als die Macht — und weil sie damit durchkam. Das ist, in vier Sätzen, der Grund, warum dieser Stoff die Jahrhunderte überstanden hat und ein halbes Dutzend Gemeindereformen dazu.
Birstein ist mit dieser Figur nicht allein. Wilde Weiber gibt es in Hessen an rund vierzig Orten. Fast immer sind es Felsgruppen, Grotten oder Höhlen. Im Kreis Gelnhausen liegen gleich zwei solcher „wilden Frauenhäuser“ — eines davon taucht schon um 900 nach Christus als domus wildero wibo in einer Grenzbeschreibung auf. Der Glaube an wilde Weiber ist somit älter als die Kirchengebäude, in denen er später verboten haben.
In den Erzählungen sind diese Frauen selten böse. Sie singen vor ihren Höhlen. Sie zeigen Schäfern, welches Kraut ein krankes Tier rettet. Sie backen Brot, sie schenken Bräuten Flachs, der zu Gold wird — und sie holen sich Kinder, um die sich niemand kümmert.
Dann kam das siebzehnte Jahrhundert
An dieser Stelle hört die schöne Geschichte auf, und die bedrückenden Akten fangen an.
In der benachbarten Grafschaft Büdingen wurden zwischen 1532 und 1699 rund 485 Menschen der Hexerei angeklagt. Über 400 von ihnen wurden hingerichtet, die weit überwiegende Mehrheit Frauen. Allein im Jahr 1633 starben in Büdingen 64 Menschen auf dem Scheiterhaufen, im Jahr darauf 50. Die Stadt zählte damals knapp 500 Erwachsene. In Gelnhausen erinnert eine Tafel am Hexenturm an 31 namentlich bekannte Opfer.
In den Akten steht auch, wovon die Angeklagten redeten: von Salben. Von Kräutern. Vom Zubereiten von Medizin.
Die Hauptfigur des Musicals heilt eine Schusswunde mit Ringelblume, Kamille und Beinwell. Ihre Tochter kennt jedes Kraut im Wald und weiß, in welcher Reihenfolge man es ansetzt. Ein Dorf hält so etwas schnell für Zauberei. Das ist der Grund, warum die Birsteiner Festspiele dieses Stück nicht als Märchen erzählen. Auch in Birstein gab es „Hexen“ und Hexenprozesse am Hof der isenburgischen Fürsten.
Die Bedrohung im Stück ist keine erfundene. Sie ist nur ein paar hundert Jahre alt und wenige Meter entfernt.
Zwei Welten
Die Handlung beginnt harmlos, fast idyllisch: Eine Frau lebt mit vier Kindern im Wald, in einem Alltag, der aus Kochen, Weben, Schnitzen, Kräutersammeln und einer sehr klaren Vorstellung davon besteht, wie man mit anderen Lebewesen umgeht. Man fragt die Pflanze, bevor man sie pflückt. Man isst kein Tier, das im Wald noch eine Chance hätte.
Dann verirrt sich der Jäger Jakob in eben diesen Wald, verletzt sich schwer — und wird von der Frau gefunden, versorgt und wochenlang gepflegt. Er verliebt sich in sie. Mehr noch: Er verliebt sich in ihre Art zu leben. Als er ins Dorf zurückkehrt, ist er ein anderer Mensch. Und im Dorf bricht Panik aus.
Denn das Dorf, das ist die zweite Welt: Maria, die Wirtin und Jakobs Mutter, die längst weiß, wen ihr Sohn zu heiraten hat. Sabine, die seit Jahren wartet und der die Zeit davonläuft. Der Doktor, dessen medizinisches Weltbild eine zu gut verheilte Schusswunde nicht verträgt. Der Pastor, der für alles ein Gesetz hat. Die Jäger am Stammtisch. Und über allem der Fürst, der schon zu viele Urteile gesprochen hat.
Was daraus entsteht, ist kein Konflikt zwischen Gut und Böse, sondern einer zwischen Freiheit und Ordnung — und zwischen dem, was man versteht, und dem, was man nur noch fürchtet. Das Fremde, diese „wilde Natur“, macht Angst, weil es nicht mehr verstanden wird; und aus diesem Unvermögen heraus wird es kurzerhand für böse erklärt.
Das Stück ist damit zweierlei: ein Plädoyer für Toleranz, denn man muss nicht gleich leben, um in Frieden nebeneinander zu existieren, und ein Plädoyer für einen achtsameren, respektvolleren Umgang mit der Natur. Beides ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit einer Wirtin, die zu viel trinkt, einem Stammtischlied über das Jägerleben und einem Siebenjährigen, der der Dorfgemeinschaft erklärt, warum er vor ihr keinen Respekt hat.
Redaktionelle Anmerkung für die Presse: Diese Inhaltsangabe ist bewusst spoilerfrei gehalten. Eine ausführliche Szenenübersicht sowie Auszüge aus der Stückfassung stellen wir akkreditierten Medien auf Anfrage zur Verfügung.
Über 20 Nummern, und keine davon gab es vorher
Das Markenzeichen der Birsteiner Festspiele ist eine Entscheidung, die man in einer Gemeinde dieser Größe eigentlich nicht trifft: In Birstein wird kein fertiges Musical eingekauft und lediglich aufgeführt. Die Produktionen entstehen von Grund auf vor Ort. Regionale Sagen und historische Stoffe bilden die Grundlage für neue Geschichten, die eigens geschrieben und eigens komponiert werden.
„Das Wilde Weib — Das Musical“ umfasst achtzehn Musiknummern: eine Ouvertüre, in der das halbe Dorf sich gegenseitig Gerüchte zuwirft, Chorlieder, Duette, Soli, mehrere Choreografie-Nummern und ein Finale, in dem das Ensemble aus den Rollen heraustritt und die Zuschauer direkt anspricht.
Verantwortlich für die Musik ist, wie seit der allerersten Stunde, Jochen Flach. Der Mitinitiator der Festspiele und Gründungsmitglied der Wilde Kultur Birstein e. V. zeichnet für die Musik sämtlicher Festspiele verantwortlich; für die aktuelle Produktion übernimmt er erneut Komposition und musikalische Leitung.
Sein Tagesgeschäft findet dabei ein gutes Stück weiter westlich statt: Flach ist international als Komponist tätig, hat die Musik für bekannte Blockbuster der Games-Branche sowie für Trailer großer Hollywood-Produktionen geschrieben, und seine Werke laufen täglich in Fernsehformaten rund um den Globus. Ausgezeichnet wurde er unter anderem für den besten Soundtrack bei einem renommierten deutschen Entwicklerpreis sowie bei den internationalen Library Music Awards in London. In Birstein schreibt er Lieder für einen Siebenjährigen, drei Jäger und eine Wirtin. Man darf das als Kompliment an den Ort verstehen.
Die Frau, die das Wilde Weib schreibt, inszeniert und spielt
Regina Leitner, geboren 1977 in Linz, absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Anton Bruckner Universität Linz und schloss 1999 die Diplomprüfung mit Auszeichnung ab. Es folgte eine einjährige Musical-Welttournee durch die USA und Europa. Erste Theatererfahrung hinter den Kulissen sammelte sie bereits mit 17 Jahren als Regieassistentin am Theater Phönix Linz.
Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin — unter anderem neun Jahre im Ensemble am Hessischen Landestheater Marburg — gibt sie seit vielen Jahren Schauspielunterricht, leitete diverse Theater- und Musical-AGs und führt Regie im In- und Ausland. Seit fünfzehn Jahren ist sie im deutschsprachigen Raum mit ihren Musik-Kabaretts unterwegs. Obendrein ist sie Autorin, Bewegungstherapeutin, Naturcoach und Erlebnispädagogin.
Bei den Birsteiner Festspielen führt sie Regie, schrieb die Stückfassung — und steht zugleich in der Titelrolle auf der Bühne. Einen Roman, der die Hintergründe und die gesamte Geschichte des Wilden Weibs in Langform erzählt schreibt sie derzeit gemeinsam mit Tochter Helena Leitner. Dieser soll passend zur Uraufführung im März 2027 erscheinen. Dass ausgerechnet eine Naturpädagogin die Frau spielt, die dem Dorf erklärt, warum man einen Baum vor dem Fällen fragt, ist einer jener Zufälle, die in Birstein keine sind.
Der Jäger
Die zweite Hauptrolle, den Jäger Jakob, spielt Alexander Müßig. Geboren 1996 in Wiesbaden, lebt er seit seiner Kindheit bei Mainz, wo er von 2019 bis 2022 seine Schauspielausbildung an der Schauspielschule Mainz absolvierte.
Als Gast spielte er unter anderem am Chawwerusch Theater Herxheim und war am Staatstheater Wiesbaden als Ensemblemitglied des Jungen Staatsmusicals in „Blues Brothers“, „Fame“ und „Jugend ohne Gott“ (Regie: Iris Limbarth) zu sehen. Am Staatstheater Mainz stand er in „Der Mann ohne Vergangenheit“ (Regie: K. D. Schmidt) und „Der kleine Vampir“ (Regie: Jule Kracht) auf der Bühne, dazu kommen verschiedene Kurzfilmprojekte. Von 2022 bis 2024 war er festes Mitglied im Schauspielensemble am Landestheater Eisenach. Aktuell arbeitet er als freier Schauspieler, gibt Workshops, führt Regie und ist beispielsweise in „Fack Ju Göhte“ am Staatstheater Wiesbaden zu sehen.
Neben dem Schauspiel gilt seine Leidenschaft der Musik: Er spielt Schlagzeug, Gitarre und Klavier — und singt. In Birstein wird er das reichlich tun müssen; Jakob hat zwei große Soli und ist an einem halben Dutzend weiterer Nummern beteiligt.
Erstmals unter einem Dach
Mit der Produktion 2027 steht eine weitere Premiere bevor: Zum ersten Mal findet eine große Birsteiner Festspielproduktion nicht als Freilichttheater statt.
Spielstätte wird das sanierte Bürgerzentrum Birstein. Mit knapp 300 Sitzplätzen bietet der Saal einen festen Rahmen für die kommenden Produktionen. Dazu kommen moderne Backstage-, Lager- und Probenbereiche sowie zeitgemäße Bühnen- und Veranstaltungstechnik: elektrische Traversenzüge, eine digitale Licht- und Haussteuerung und eine moderne Beschallungsanlage — technische Voraussetzungen, die bei den bisherigen Open-Air-Produktionen so nicht zur Verfügung standen.
Für ein Ensemble, das jahrelang gegen Wind, Regen und die Akustik eines Schlossgartens angespielt hat, ist das ein Kulturwandel. Wer schon einmal versucht hat, ein Kinderlied gegen einen aufziehenden Sommergewitterhimmel durchzusetzen, weiß, was ein Dach wert ist.
Auch der Standort ist von besonderer Bedeutung: Das Bürgerzentrum liegt unmittelbar am Schlosspark — und damit an jenem Ort, an dem 2008 „Wildes Weib“ erstmals aufgeführt wurde. Die Geschichte kehrt an ihren Ausgangspunkt zurück, nur eben unter einem Dach und mit völlig neuen Möglichkeiten.
Rund 1.000 Stunden, die in keiner Bilanz auftauchen
Die Geschichte der Birsteiner Festspiele beginnt 2008, mit derselben Sage. Damals standen rund 60 Schauspielerinnen, Schauspieler, Sängerinnen und Sänger gemeinsam mit einem etwa 20-köpfigen Orchester im Schlossgarten auf der Bühne beziehungsweise im Graben. Getragen wurde das Projekt in den ersten beiden Jahren von der Liedertafel Birstein. Aus einer ungewöhnlichen Idee wurde binnen kürzester Zeit ein viel beachtetes regionales Kulturereignis. Aus dem Erfolg resultiert der entscheidende Impuls zur Gründung der Wilde Kultur Birstein e. V., die seither die organisatorische und künstlerische Verantwortung trägt.
Die Grundidee ist bis heute dieselbe geblieben: Kultur soll nicht nur konsumiert, sondern von den Menschen vor Ort aktiv gestaltet werden. Bei den Produktionen treffen professionelle Bühnenmenschen auf Amateure, Kinder auf Erwachsene, langjährige Theatererfahrung auf Menschen, die zum ersten Mal auf einer großen Bühne stehen.
Wie viel Arbeit das ist, lässt sich beziffern. Für 2027 rechnet der Verein mit rund 970 ehrenamtlichen Helferstunden: etwa 300 Stunden Vorstands- und Produktionsarbeit, 240 Stunden Technikhilfe bei Proben und Aufführungen, 96 Stunden Bühnenbau, 144 Stunden Abenddienste an Kasse, Einlass und Verkauf, dazu Requisite, Schneiderarbeiten, Maske, Auf- und Abbau. Rund fünfzig Menschen sind bereits an der Produktion beteiligt.
Das Engagement reicht dabei weit über Schauspiel und Gesang hinaus: Requisiteure, Bühnenbauer, Näherinnen, Licht- und Tontechniker, Inspizienten, Organisationskräfte, Helferinnen und Helfer bei Garderobe, Einlass und Abendkasse. Ehrenamt und Professionalität werden in Birstein nicht als Gegensätze verstanden, die Verbindung aus professioneller künstlerischer Anleitung und dem Engagement der Menschen vor Ort ist der Kern des Erfolgsmodells.
2017 wurde genau das offiziell gewürdigt: Die Wilde Kultur Birstein e. V. erhielt den Sonderpreis des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreises für „herausragende Kulturvermittlung im ländlichen Raum“. Ausgezeichnet wurde nicht eine einzelne Produktion, sondern eine Gemeinschaftsleistung.
Ein Minister als Schirmherr
Die 8. Birsteiner Festspiele stehen unter der Schirmherrschaft von Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur. Dass der für Kultur zuständige Landesminister ein ehrenamtlich getragenes Projekt im ländlichen Raum begleitet, ist eine Anerkennung auf Landesebene — und ein Signal für die Bedeutung freier Kulturarbeit außerhalb der Ballungszentren.
Gremmels, geboren 1976 in Marburg, ist seit Januar 2024 im Amt. Zuvor war er Mitglied des Hessischen Landtags und des Deutschen Bundestages. Kultur im ländlichen Raum ist einer seiner erklärten Schwerpunkte: Er setzt sich für den Abbau bürokratischer Hürden bei der Förderung ehrenamtlich getragener Projekte ein und betont, dass Kulturpolitik sich dort bewähre, wo Menschen tatsächlich Kunst machen — auf Bühnen, in Musikschulen, in Ateliers. 2025 vertrat er die Kulturministerkonferenz bei der UNESCO-Weltkulturkonferenz MONDIACULT in Barcelona.
„Dass Timon Gremmels die Schirmherrschaft für die 8. Birsteiner Festspiele übernimmt, ist für uns eine große Ehre und ein starkes Zeichen der Wertschätzung. Gerade für Kulturprojekte im ländlichen Raum ist es von großer Bedeutung, gesehen und ernst genommen zu werden. Diese Schirmherrschaft ist deshalb nicht nur Auszeichnung, sondern auch Ermutigung für alle unsere ehrenamtlichen Mitarbeitenden.“
— Leon Roskoni, Intendant der Birsteiner Festspiele
Zur Premiere am 12. März 2027 wird der Minister persönlich in Birstein erwartet.
Wer das alles zusammenhält
Seit 2026 wird die Wilde Kultur Birstein von einem neu aufgestellten Vorstand geführt. Zum ersten Vorsitzenden wurde Leon Roskoni gewählt; er ist zugleich Intendant und Produktionsleiter der Festspiele. Roskoni gehört seit den ersten Festspielen 2008 zum Ensemble und stand seitdem bei jeder Produktion auf der Bühne. Seit 2015 engagiert er sich darüber hinaus in der Produktion und verbindet damit langjährige Bühnenerfahrung mit organisatorischer Verantwortung.
Ebenfalls im Vorstand: Jochen Flach, der die Festspiele 2008 und den Verein 2010 mitgegründet hat. Seine Musik ist die Klammer, die die einzelnen Produktionen über fast zwei Jahrzehnte hinweg verbindet.
Was bleibt, wenn der Festwagen wieder fährt
2027 schließt sich ein Kreis — aber es ist ausdrücklich keine Wiederaufnahme. Die neue Fassung ist eine vollständig eigenständige Musicalproduktion: Die alte Sage bildet weiterhin die Grundlage, doch Geschichte, Figuren, Musik und Inszenierung wurden neu entwickelt und auf die heutige Zeit zugeschnitten. Aus der Frau mit der List ist eine Frau mit vier Kindern, einer Vergangenheit und einem Dorf gegen sich geworden.
Das Finale des Stücks stellt eine Frage, die der Ort seiner eigenen Sage seit Jahrhunderten nicht gestellt hat: Was ist geblieben, was hat sich verändert? Die Antwort überlässt das Ensemble dem Publikum. Der letzte Satz, den es dabei singt, lautet: „Keine Mauern mehr dort, wo einst Wurzeln waren.“
Beim nächsten Birsteiner Markt wird der Festwagen wieder durch den Ort rollen. Auf ihm wird eine Frau stehen. Und die Chance ist gut, dass ein paar hundert Menschen mehr als sonst wissen, warum.
Tickets sind ab dem 28. August erhältlich und kosten zwischen 29,50 € und 39,50 € auf www.birsteinerfestspiele.de/tickets und am Marktstand des Veranstalters am Sonntag des Birsteiner Markts. Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende und Mitglieder des Trägervereins erhalten 15 % Ermäßigung, Inhaber und Inhaberinnen der EhrenamtsCard Hessen erhalten 10 % Ermäßigung. Wer bis zum 13. September sein Ticket kauft, kann zusätzlich 10 % auf den Ticketkauf sparen. Das Stück ist empfohlen ab 10 Jahren; für Kinder unter 6 Jahren ist es nicht geeignet.