UNSERE
MUSICAL-
GESCHICHTE

Eine Gruppe von Schauspielern auf einer Bühne bei einer Aufführung vor einem Publikum. Die Schauspieler tragen bunte Kostüme und sind in einer Reihe auf der Bühne positioniert. Das Ensemble der Birsteiner Festspiele 2016 und 2017 in: Der Wilde Grimm

DAS IST DER GESELLSCHAFTLICHE ANSPRUCH DER BIRSTEINER FESTSPIELE

  • Die Birsteiner Festspiele verbinden regionale Geschichten mit zeitgenössischem Musiktheater. Sie nehmen lokale Mythen ernst, ohne sie zu romantisieren, und nutzen sie als Spiegel für gesellschaftliche Fragen unserer Gegenwart.

  • Weil kulturelle Identität nicht importiert werden muss. Lokale Sagen, Biografien und Konflikte bieten starke dramaturgische Stoffe, die zugleich historisch verwurzelt und aktuell anschlussfähig sind.

  • Beides — bewusst. Es verankert sich in der Region, arbeitet aber mit professionellen künstlerischen Standards, zeitgemäßer Musik und einer kritischen, reflektierten Perspektive.

  • Künstlerische Schlüsselpositionen (Regie, Musik, zentrale Rollen) liegen bei Profis; lokale Mitwirkende gestalten maßgeblich mit. So entsteht ein produktives Zusammenspiel aus Expertise und Authentizität.

  • Der ländliche Raum ist kein Hintergrund, sondern Zentrum des Projekts: Bühne, Thema und Gemeinschaft zugleich. Kultur wird hier nicht „bespielt“, sondern gemeinsam entwickelt und getragen.

  • Unsere Produktionen sollen Dialog anstoßen — über Freiheit, Macht, Gemeinschaft, Natur, Identität und Verantwortung — und zeigen, dass anspruchsvolle Kunst auch außerhalb großer Städte entstehen kann.

Birsteiner Festspiele 2020 (Abgesagt)

Hat es dich geschert?

Dir war dein Krug lieber als ich.

Ein malerisches Bild einer Stadt im Hintergrund, umgeben von Bäumen und Wasser mit aufwendigen, farbigen Effekten. Das Ensemble der Birsteiner Festspiele 2020: Pakt der Weiber
Schwarz-weiß-Design mit Text 'Pakt der Weiber' und einem Wassertröpfchen, das eine Wasseroberfläche berührt, sowie der deutschen Unterzeile 'Eine Sage vom Neuhäuser Weiler'.

Über das Stück

Pakt der Weiber entfaltet ein düsteres Dorfbild zwischen Gewalt, Sehnsucht und heimlicher Solidarität. Ausgangspunkt ist die zerrüttete Ehe der Bäuerin Katharina Beyer: Ihr trunksüchtiger, gewalttätiger Mann Johannes terrorisiert Familie und Hof – ein Zustand, der für sie unerträglich geworden ist.

In diese Spannung hinein tritt Charlotte, eine junge Tischlerin auf der Walz, die im Dorf Arbeit sucht und sich in Katharinas Sohn Ernst verliebt. Zwei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, erkennen dennoch dieselbe Wahrheit: Beide wollen Ernst schützen – und beide wissen, dass Johannes ihnen im Weg steht. Aus diesem geteilten Begehren erwächst ein fataler Pakt.

Das Musical greift den historischen Mordfall von 1836 am Neuhäuser Weiher auf, transformiert ihn jedoch in eine moderne Parabel über Macht, Schuld und Gemeinschaft. Unter der scheinbar bodenständigen Oberfläche Birsteins brodeln Angst, Begierde und unterdrückte Gewalt. Der Weiher selbst wird zur mythischen Gegenfigur: still, schön – und gefährlich.

Pakt der Weiber fragt damit unbequem, wie weit Menschen gehen dürfen, wenn sie schützen wollen – und was eine Dorfgemeinschaft übersieht, wenn sie lieber wegschaut, als hinzusehen.

Regisseur der Birsteiner Festspiele, Axel Brauch. Nahaufnahme eines Mannes mit braunen Haaren und Bart, das im Hintergrund ein Garten oder eine Gewächshausumgebung zu sehen ist.
Autor der Birsteiner Festspiele 2020, Alexander Frank. Ein Mann mit Brille und Bart arbeitet an einem Computer in einer dunklen Umgebung.

Regie
Axel Brauch

Buch
Alexander Frank

Musik
Jochen Flach

Bühne & Kostüm
Gesine Mahr

Britta Schäfer-Clarke Lächelnde Frau mit braunem Haar, trägt ein weißes Oberteil, im Hintergrund eine holzvertäfelte Wand.
Angelika Roskoni am Rednerpult des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreis. Frau liest an einem Rednerpult während einer Veranstaltung, mit freundlicher Beleuchtung.

Choreographie
Brita Schäfer-Clarke

Intendanz
Angelika Roskoni

Bühnenbildnerin und Produktionsdesignerin Gesine Mahr Ein Porträt einer lachenden Frau mit dunklem Haar vor einem grünen, verschwommenen Hintergrund.
Der bekannte Komponist Jochen Flach. Mann in einem Tonstudio vor einem Computer mit Musiksoftware, sitzt auf einem Stuhl, hat den Kopf leicht gesenkt, hält die Hände vor das Kinn und blickt direkt in die Kamera.
Ein brennendes Haus mit Flammen und Rauch, überlagert mit einer Häuserfront und einem Kinderkarussell im Vordergrund. Birsteiner Festspiele 2020: Pakt der Weiber

Birsteiner Festspiele 2016 · 2017

Die Welt braucht Verrückte. Nur so dreht sie sich weiter.

Schauspielgruppe in einem Theaterstück, umgeben von grüner Beleuchtung, vor einer Tafel mit einer mathematischen Gleichung. Das Ensemble der Birsteiner Festspiele 2016 und 2017 in: Der Wilde Grimm - Das Musical
Schattenhaftes Maskottchen oder Bühnenbild für das Musical "Der wilde Grimm" mit stilisiertem Gesicht und den Worten "Der wilde Grimm Das Musical" auf Schwarzweiß-Design.

Über das Stück

Basierend auf der wahren Lebensgeschichte und Aufzeichnungen des jüngeren Grimm-Bruders und Illustrators der berühmten Märchensammlungen entfaltet Der Wilde Grimm eine vielschichtige Erzählung an der Schnittstelle von Biografie, Erinnerung, Volklore und Märchen.

Ausgangspunkt ist eine poetische Rahmenhandlung: Die alte Auguste liest ihren Nichten vor – und aus diesen Geschichten wächst das Leben Ludwig Emil Grimms als lebendiges Bühnenbild hervor. Vergangenheit und Gegenwart, Fantasie und Wirklichkeit durchdringen sich dabei bewusst, um zu zeigen, wie stark Geschichten Identität formen.

Als junger Künstler ringt Ludwig mit den engen Normen seiner Zeit. Zwischen familiärer Geborgenheit, dem schmerzlichen Verlust der Mutter und den politischen Verwerfungen der napoleonischen Ära behauptet er seinen Weg zur Kunst. Der entscheidende Wendepunkt führt ihn nach Birstein, in die Landschaft seiner Großmutter.

Dort begegnet er Gräfin Auguste – Inspiration, Sehnsucht und Spiegel seiner eigenen Kreativität zugleich. Ihre Verbindung bleibt gesellschaftlich unmöglich, doch künstlerisch fruchtbar: Aus dieser Spannung erwachsen jene Illustrationen, die den Märchen seiner Brüder ihre unverwechselbare Bildsprache geben.

Regie
Axel Brauch

Buch
Steffen Dargatz

Musik
Jochen Flach

Bühne & Kostüm
Gesine Mahr

Choreographie
Brita Schäfer-Clarke

Intendanz
Angelika Roskoni

Autor von "Der Wilde Grimm - Das Musical" Steffen Dargatz. Mann mit blauer kariertem Hemd, lachend, vor einem Klavier mit Notenblatt.
Ein Mann mit kurzen braunen Haaren und Bart in einem Gewächshaus oder Blumenladen, im Hintergrund Pflanzen und Regale.
Nahaufnahme einer lächelnden Frau mit langem dunklem Haar vor einem grünen, unscharfen Hintergrund.
Ein Mann sitzt auf einem Stuhl in einem Musikstudio, vor einem Computer mit Musiksoftware. Im Hintergrund sind Lautsprecher und ein Mikrofon zu sehen.
Frau liest in einem dunklen Raum vor einem Mikrofon, vermutlich bei einer Veranstaltung oder Rede.
Eine lächelnde Frau mit braunen, schulterlangen Haaren, die eine Brille trägt, in einem Raum mit Holzpaneele im Hintergrund.

Birsteiner Festspiele 2011 · 2012

Für solche wie Dich haben wir einen Sack voll Geld mitgebracht.

Eine Gruppe von Menschen in Kostümen, die gemeinsam eine akrobatische Pose auf einer Treppe aufstellen, vermutlich während eines Umzugs oder einer Feier.
Eine schwarz-weiße Illustration eines Seekreuzes mit einer Plakette, die den Text »Der Raub des Seraphinemordens« zeigt, umgeben von kunstvollen Schleifen und Bannern.

Über das Stück

In Der Raub des Seraphinenordens wird das scheinbar idyllische Birstein zum Schauplatz eines grundlegenden Konflikts um Erinnerung, Macht und kulturelle Identität. Ausgangspunkt ist ein ausgelassenes Dorffest mit Tanz, Gesang und Vorfreude auf den traditionellen Markt – ein Bild gelebter Gemeinschaft.

Doch diese Harmonie wird durch das Auftreten der „Kulturgangster“ erschüttert. Sie verkörpern eine moderne, kalte Logik von Geld und Kontrolle: Sie kaufen Vertrauen, sammeln Geschichten und löschen sie symbolisch aus. Schritt für Schritt verlieren die Birsteiner ihre Wurzeln, ihre Rituale und sogar die Wahl des Wilden Weibes gerät ins Wanken.

Im Zentrum steht der Seraphinenorden im Schloss – mehr als ein historisches Objekt: Er ist Sinnbild der lokalen Geschichte und Würde. Sein Raub markiert den Versuch, Birstein seiner Seele zu berauben. Erst als die Dorfgemeinschaft den Verlust erkennt, entsteht Widerstand. Durch Solidarität und Erinnerung holen sich die Birsteiner nicht nur den Orden zurück, sondern vor allem sich selbst.

Einzigartig: Die Birsteiner Festspiele 2011 -2012 waren als “Interaktives Landschaftstheater angelegt. Anstatt einer festen Bühne wurden Gäste mit ultraleichten Klappstühlen ausgestattet. Die Handlung geschah fließend an verschiedenen Spielorten in einem Umkreis von 200 Metern, die zu fuß zu erreichen waren. Mit dabei: Hunde, Roller, PWK, Geländewagen und vieles mehr.

Eine lächelnde Frau mit Brille, dunklem Haar und informeller Kleidung im Freien, vermutlich in einer städtischen Umgebung, mit Bäumen und Autos im Hintergrund.
Ein Mann sitzt in einem Tonstudio vor einem Tisch mit Musikproduktionssoftware auf einem Bildschirm, mit professionellem Audio-Equipment im Hintergrund.

Regie & Buch
Thali Kellmeyer

Musik
Jochen Flach

Frau mit braunen Haaren, die lächelnd nach rechts schaut, trägt ein weißes Oberteil und sitzt in einem Raum mit Holz-Hintergrund.

Kostüm & Choreographie
Brita Schäfer-Clarke

Birsteiner Festspiele 2008 · 2009

Eine neue Zeit ist nun bereit.

Kinder in weißen Kostümen mit grünen Umweltsymbolen, die die Erde repräsentieren, halten die Hand an die Stirn und schauen in die Ferne bei einer Inszenierung oder Aufführung.
Weißer Schriftzug 'Wilderness' mit Bäumen integriert auf schwarzem Hintergrund.

Über das Stück

Wildes Weib erzählt von einem Konflikt zwischen Ordnung und Freiheit, Macht und Natur. In den Wäldern um Birstein sorgt eine geheimnisvolle Frau mit ihren Kindern für Unruhe: Für die Dorfgemeinschaft ist sie Bedrohung und Projektionsfläche zugleich, für den Fürsten eine Herausforderung seiner Autorität.

Als die Jäger sie stellen und ein Kind verletzt wird, eskaliert der Konflikt im Dorf zur moralischen Grundsatzfrage: Hexe oder Schutzsuchende? Außenseiterin oder Hüterin einer anderen Lebensform? In dieser Zuspitzung wird das Wilde Weib zur Figur zwischen Mythos und Realität.

Bei der Anhörung vor dem Fürsten wendet sie mit listiger Klugheit das Recht zu ihren Gunsten: Aus einer scheinbar kleinen Bitte erwächst ein großes Stück Freiheit. Damit behauptet sie ihren Platz in der Landschaft – nicht durch Gewalt, sondern durch Intelligenz und Beharrlichkeit. Das Stück wird so zu einer Parabel über Selbstbestimmung, Gerechtigkeit und das Recht, anders zu leben.

Eine lächelnde Frau mit Brille, dunklem Haar in einem Dutt, trägt eine schwarze Jacke, im Hintergrund ein städtischer Straßenbereich.
Ein Mann sitzt im Tonstudio vor einem Mischpult, lächelt leicht und ruht die Hände unter seinem Kinn.

Regie & Buch
Thalia Kellmeyer

Musik
Jochen Flach

Ein Mann mit Brille und grauem Bart schaut nach rechts, ist in einem dunklen Raum vor schwarzem Hintergrund, trägt dunkle Kleidung.
Eine lächelnde Frau mit braunen Haaren, die nach rechts blickt, sitzt in einem Raum mit Holzhintergrund.

Musikalische Leitung
Harald Dittmeyer

Bühne & Kostüm
Brita Schäfer-Clarke

Entstehung

Die Birsteiner Festspiele wurden 2008 als echtes Herzensprojekt örtlicher Künstlerinnen und Künstler ins Leben gerufen. Unter der Trägerschaft des traditionsreichen Gesangvereins Liedertafel 1842 Birstein wagte man damals bewusst einen neuen, ambitionierten Schritt: Mit der Uraufführung des Open-Air-Musicals „Das Wilde Weib“ im Schlossgarten entstand ein kulturelles Format, das professionellen Anspruch mit starkem lokalen Engagement verband.

Der Erfolg war überwältigend – künstlerisch wie organisatorisch. Zehn ausverkaufte Vorstellungen, ein großes Ensemble, Orchester, professionelle Leitung, mediale Resonanz weit über die Region hinaus: Schnell wurde deutlich, dass dieses Projekt eine Dimension erreicht hatte, die langfristig eine eigenständige Struktur erforderte.

Der finanzielle Rahmen, die organisatorische Komplexität und der gestiegene Anspruch an Produktion und Nachhaltigkeit machten es notwendig, die Festspiele auf ein eigenes Fundament zu stellen. In enger Abstimmung und mit Unterstützung der Liedertafel wurde deshalb die Wilde Kultur Birstein e.V. gegründet – als eigenständiger Trägerverein, der sich fortan ausschließlich der Weiterentwicklung der Festspiele und weiterer kultureller Projekte widmen konnte.

Die Liedertafel bleibt damit ein wesentlicher Ursprung und ideeller Wegbereiter der Festspiele. Aus ihrem Engagement heraus entstand eine eigenständige Kulturinstitution, die bis heute aus dem Zusammenspiel von Professionalität und bürgerschaftlichem Einsatz ihre besondere Kraft bezieht.