Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreis für die Birsteiner Festspiele!

Im Jahr 2017 erhielt der Verein Wilde Kultur Birstein eine besondere Anerkennung: den Sonderpreis des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreises. Diese Auszeichnung würdigt die „herausragende Kulturvermittlung im ländlichen Raum“ und ehrt eine Gemeinschaftsleistung, die Birstein weit über die Region hinaus bekannt gemacht hat.

Warum ein Sonderpreis?

Während der Kulturpreis normalerweise an Einzelpersonen für ihr künstlerisches Schaffen verliehen wird, dient der Sonderpreis dazu, Gruppen, Vereine und Institutionen zu ehren. Er ist ein Zeichen der Wertschätzung für ehrenamtliches Engagement, das kulturelle Teilhabe ermöglicht und die Identifikation mit der Heimat stärkt – ein entscheidender Standortfaktor abseits der großen Städte.

Die Verleihung des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreises im Jahr 2017 markierte einen besonderen Moment für die Region, denn mit der Vergabe des Sonderpreises an die „Wilde Kultur Birstein“ wurde eine außergewöhnliche Gemeinschaftsleistung gewürdigt. In seiner Laudatio hob Landrat Thorsten Stolz hervor, dass Lebensqualität im ländlichen Raum untrennbar mit lokalen Kulturangeboten verbunden ist. Diese Angebote schaffen Identifikation und Heimatgefühl, was gerade abseits der großen Ballungszentren einen unschätzbaren Standortfaktor darstellt. Während kleinere Gemeinden oft Schwierigkeiten haben, professionelle Strukturen zu finanzieren, beweist Birstein eindrucksvoll, dass durch ehrenamtliches Engagement wahre kulturelle Leuchttürme entstehen können.

Der Verein „Wilde Kultur“ entwickelte sich aus dem Erfolg der ersten Birsteiner Festspiele in den Jahren 2008 und 2009. Damals setzte die Regisseurin Thalia Schuster mit dem Stück „Das Wilde Weib“ ihre Vision eines Bürgertheaters um und lockte tausende Besucher in das Dorf. Um diese kreative Energie dauerhaft zu bündeln, wurde der Verein gegründet, der seither die künstlerischen Fäden zieht. Mit Produktionen wie „Der Raub des Seraphinenordens“ oder dem Musical „Der Wilde Grimm“ wurden Stoffe geschaffen, die Geschichte lebendig machen und gleichzeitig aktuelle gesellschaftliche Themen spielerisch reflektieren.

Ein wesentliches Merkmal dieser Arbeit ist die enorme Mobilisierung lokaler Kräfte. Bei der Inszenierung des „Wilden Grimms“ standen beispielsweise über fünfzig Darsteller im Alter von neun bis neunundsiebzig Jahren gemeinsam auf der Bühne, während mehr als hundert weitere Helfer im Hintergrund wirkten. Diese „kommunalen Helden“ investieren unzählige Stunden ihrer Freizeit, um unter professioneller Anleitung ein Gesamtkunstwerk aus Musik, Schauspiel und aufwendigen Kostümen zu erschaffen. Dabei reicht die musikalische Bandbreite von Rock und Pop bis hin zu klassischer Sinfonik, was die enorme Qualität und Vielseitigkeit der Produktionen unterstreicht.

Landrat Stolz betonte in seiner Rede auch die Herausforderungen eines solchen Engagements, das die Aktiven oft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führt. Neben den großen Festspielen organisiert der Verein ein breites Programm von Konzerten im Vogelsberger Dom bis hin zu Theaterworkshops und Kleinkunstabenden. Der Kulturpreis kam daher genau zum richtigen Zeitpunkt, um den Respekt und Dank für diesen jahrelangen Einsatz auszudrücken. Es ist diese Art von „Wurzelbehandlung“, die einer Region Tiefe verleiht und den Zusammenhalt stärkt. Die Welt braucht solche mutigen Visionäre, damit sie sich weiterdreht und lebendig bleibt.

Leon Roskoni

Leon Roskoni ist erster Vorsitzender und Gründungsmitglied des Trägervereins Wilde Kultur Birstein e.V. und seit 2026 Intendant und Produktionsleiter der Birsteiner Festspiele. Er wirkte bei jeden Birsteiner Festspielen seit deren Schöpfung im Jahr 2008 auf der Bühne mit, seit 2015 auch in der Produktion. Im rahmen der Birsteiner Festspiele 2020 (abgesagt) war er Leiter des Marketingressorts.

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Pakt der Weiber: Ein neuer kultureller Leuchtturm für Birstein

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